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frühlingsüberwachen 2003

Veranstaltungsreihe zur Überwachung

Die Reihe frühlingsüberwachen befasst sich in sechs Veranstaltungen mit dem Thema der zunehmenden Überwachung und Kontrolle. Ähnlich wie im Vorjahr wird zum einen anhand konkreter Beispiele über verschiedene Methoden der Überwachung informiert. Zum anderen diskutieren und debattieren wir über die gesellschaftliche Bedeutung und über mögliche Auswirkungen der Überwachung. Neben vier Vorträgen jeweils am Mittwochabend in der Roten Fabrik finden eine Exkursion zu Kameras im Zürcher Langstrassenquartier und ein witzig-instruktiver Parcours zur nachbarschaftlichen Kontrolle im Alltag statt.

Die Organisation erfolgt in Zusammenarbeit mit der Swiss Internet User Group (SIUG), dem Verein trash.net und der Stiftung Archiv Schnüffelstaat Schweiz (ASS).

frühlingsüberwachen steht in einem engen Zusammenhang mit der Preisverleihung der Schweizer Big Brother Awards: Alljährlich im Herbst werden Betonpokale für besonders fleissige Schnüffelratten verliehen. Die Nomination erfolgt durch das Publikum.

Programm

Datum Thema Referent/Referentin
Sa 5.4., 14 Kamerarundgang im Kreis vier diverse
Sa 5.4., 16-18 Diskussion zum Kamerarundgang diverse
Sa 5.4., 20 Frühlingsflimmern-Film: Rear Window A. Hitchcock
Mi 9.4., 19.30 Der Wert persönlicher Daten (Vortrag) Matthias Leisi
Mi 16.4., 19.30 Grenzsanitarisch gestempelt (Vortrag) Gertrud Ochsner
Mi 23.4., 19.30 Der 11.9. u.a. Verschwörungen (Vortrag) Mathias Broeckers
Fr 25.4., 18-20 Zusatzveranstaltung in Bern:
Der 11.9. u.a. Verschwörungen (Vortrag)
Mathias Broeckers
Sa 26.4., 14-18 007 - leicht gemacht (ein lehrreicher Parcours) diverse
Mi 30.4., 19.30 Metzlers neue Staatsschutzpläne (Vortrag) Heiner Busch

Sie erhalten diese Informationen auch als Flyer, Faltblatt und Programm im PDF-Format.

Samstag, 5. April 2003, Treffpunkt 14 Uhr beim Denkmal der Arbeiterfamilie am Helvetiaplatz (anschliessend Diskussion im Zeughaushof, 16 Uhr, Film 20 Uhr, siehe unten)

Kamerarundgang im Kreis vier

Digitale Videokameras und Aufzeichnungsgeräte werden immer günstiger und finden zunehmende Verbreitung. Nachdem wir uns in den letzten beiden Jahren mit Kameras im Zürcher Hauptbahnhof befassten, besuchen wir nun das Gebiet um die Zürcher Langstrasse, wo der Gemeinderat kürzlich der Stadtpolizei die Installation von mobilen Überwachungskameras erlaubte. Die meisten Kameras werden aber von Privatpersonen betrieben.

Auf unserem Rundgang stellen wir verschiedene Kameratypen vor und fragen nach deren Zweck und Funktion: Wozu werden Kameras eingesetzt? Welche Hoffnungen und Ängste stehen als Motive dahinter? Wie ist der Erfolg von Kameras vor dem Hintergrund vergleichender Untersuchungen aus anderen Städten?

Nach dem knapp zweistündigen Rundgang findet von 16 bis 18 Uhr im Zeughaushof eine öffentliche Diskussion statt.

Um 20 Uhr Filmvorführung in Zusammenarbeit mit der Reihe «Frühlingsflimmern». Eventuell draussen.

Samstag, 5. April 2003, 20 Uhr im Zeughaushof

Rear Window (Das Fenster zum Hof)

Ein Thriller von Alfred Hitchcock

Einmal mehr spielt Hitchcock, Meister des Psycho-Thrillers, mit der Angst des unschuldigen Protagonisten, der in ein Verbrechen verwickelt wird: Der Sensationsfotograf L. B."Jeff" Jeffries ist wegen eines gebrochenen Beines für sieben Wochen an den Rollstuhl gefesselt. Aus Langeweile beobachtet er über den Hinterhof hinweg die Geschehnisse in den anderen Wohnungen. Dann glaubt er, Zeuge eines Verbrechens zu sein: Obwohl er die Tat nicht gesehen hat, wundert ihn das seltsame Verhalten eines Nachbarn, dessen Frau verschwunden ist. Hat der Kerl seiner Ehe ein gewaltsames Ende bereitet?

USA 1954, Regie: Alfred Hitchcock
Buch: John Michael Hayes (nach einer Kurzgeschichte von Cornell Woolrich)
Kamera: Robert Burks
Musik: Franz Waxman
Mit: James Stewart (Jeff), Grace Kelly (Lisa), Wendell Corey (Doyle, der Detektiv), Thelma Ritter (Stella), Raymond Burr (Thorwald), Judith Evelyn, Ross Bagdasarian, Georgine Darcy. 112 min., Technicolor (restauriert)
Original mit Untertiteln (Edf).

Links zum Thema
Mittwoch, 9. April 2003, 19.30 im Clubraum der Roten Fabrik

Der Wert persönlicher Daten (Vortrag)

mit Matthias Leisi

Persönliche Daten sind inzwischen zu einem Handelsgut geworden: Sie werden von professionellen Unternehmen gesammelt, aufbereitet, sortiert, gruppiert und weiterverkauft oder vermietet. Adresshandel und Datenhandel ist ein Markt: Wie hoch ist der Wert meiner persönlichen Daten aus oekonomischer Sicht? Wie kann dieser Wert bemessen werden? Wie verändert er sich über die Zeit hinweg?

Das von Matthias Leisi präsentierte Projekt basiert auf dem ökonomischen Prinzip der Auktion. Die Preisbildung erfolgt durch die Simulation eines "reinen", nachfrageorientierten Marktes. Wie reagiert dieser Markt auf neue Ereignisse? Wie kann der Wert persönlicher Daten erhöht oder reduziert werden?

Das Ziel des Projekts besteht darin, sich des (oekonomischen) Wertes der eigenen Daten bewusster zu werden und Einflussmöglichkeiten zu erkennen.

Matthias Leisi ist Oekonom und Spezialist für Computer und Datenschutz.

Mittwoch, 16. April 2003, 19.30 im Clubraum Roten Fabrik

Grenzsanitarisch gestempelt (Vortrag)

mit Gertrud Ochsner

Die EU plant, computerlesbare "Gesundheitskarten" einzuführen. Auf diesen Chipkarten sollen neben Name, Alter und Adresse auch besondere körperliche Merkmale festgehalten werden. Körperliche, oft unsichtbare Eigenschaften würden somit in einem Identitätspapier festgeschrieben, veränderliche Körperzustände als Körpermerkmale fixiert und registriert.

Das Prinzip dieser Praxis ist nicht neu: Während und nach den Weltkriegen ordneten die eidgenössischen Gesundheitsbehörden "verschärfte Massnahmen zur Verhinderung der Einschleppung ansteckender Krankheiten" an. Einreisewillige wurden grenzsanitarisch untersucht und seit 1946 auch nach Tuberkulose durchleuchtet. Der Befund dieser Untersuchungen wurde binär codiert (1=gesund, 2=krank/gebrechlich). Spätestens ab 1948 wurde dieser Code in den Pass all jener AusländerInnen gestempelt, welche an die Grenze gelangten, um in der Schweiz zu arbeiten. Die Krankgestempelten durften gar nicht erst einreisen. Der standardisierte Stempel ermöglichte, das grenzsanitarische Kontrollnetz zu verdichten und Ein- und Ausgrenzungen vorzunehmen. Gertrud Ochsner präsentiert ihre historischen Recherchen und erläutert die Zusammenhänge, die zu diesem Grenzsanitätsstempel führten.

Gertrud Ochnser studiert Soziologie sowie Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Uni Zürich.

Mittwoch, 23. April 2003, 19.30 im Clubraum der Roten Fabrik
Freitag, 25. April 2003, 18-20, Literaturapéro im Politforum Käfigturm, Eintritt frei (Kollekte)

Der 11.9. und andere Verschwörungen (Vortrag)

mit Mathias Bröckers

11+9+2+0+0+1=23, die Zahl der Illuminaten! Der Journalist und Verschwörungsspezialist Mathias Bröckers geht der Bedeutung von Klatsch, Intrigen und Verschwörungen nach. Angefangen bei der frühgeschichtlichen Verschwörung der Bakterien bis hin zu aktuellen Methoden der modernen (Des-)Informationskriegsführung («infowar») zeigt er auf, dass Zauberei und Magie heute nicht ausgestorben sind. Informationen werden oft mit einer ganz bestimmten Absicht inszeniert: «Wer Chaos erzeugt, will Kontrolle ausüben; wer Angst einjagt, will Sicherheit verkaufen.» Andererseits lassen sich Verschwörungen kaum je restlos auf eine eindeutige Täterschaft mit einem klaren Plan zurückführen. Nach William S. Burroughs: «(Nur) ein Paranoiker kennt immer alle Fakten.»

Es geht Bröckers um die «Einübung des konspirologischen Blicks». Die erste konspirologische Frage lautet: «Und was steckt dahinter?» Der 11. September 2001 mit seiner langen Reihe von Ungereimtheiten bietet ihm einen reichen Fundus an anschaulichem Material: Was haben Erdöl und Narco-Dollars mit dem 11.9. zu tun? Gibt es eine «Kosher Conspiracy»? Wenn die CIA nicht involviert war: Was hat sie stattdessen getan?

Für Bröckers sind Verschwörungstheorien «Spaghettitheorien: Welchen Faden man auch herauszieht, man macht sich die Finger schmutzig.»

Mathias Bröckers war Redaktor bei der taz und ist heute freier Journalist und Buchautor. Nach einem Lexikon der Verschwörungstheorien erschien 2002 im Verlag Zweitausendeins sein Buch "Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9." Teile dieses Buchs wurden zuvor als Tagebuch im Internet veröffentlicht («The WTC Conspiracy», www.telepolis.de).

Samstag, 26. April 2003, 14 bis 18 Uhr in der Aktionshalle der Roten Fabrik

007 - leicht gemacht (Parcours)

mit Vertretern der Big Brother Awards

Es ist nicht immer der «böse Staat», der uns ausspioniert! Mit einfachen technischen Mitteln wird es auch für uns selber immer einfacher, unsere Partner, Mitbewohnerinnen und Kinder zu überwachen. Ein lehrreicher und witziger Parcours stellt verschiedene alltägliche Geheimdienstmethoden vor: Überwachung der Internetkommunikation, Raumüberwachung mit versteckten Kameras, geheime Tonaufnahmen, usw. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf die Überwachung mobiler Telefone gelegt.

An den einzelnen Stationen des Rundgangs besteht jeweils die Möglichkeit, sich darüber kundig zu machen, wie man das Risiko solcher Formen von Alltagsüberwachung verringern kann.

Mittwoch, 30. April 2003, 19.30 im Clubraum der Roten Fabrik

Metzlers neue Staatsschutzpläne (Vortrag)

mit Heiner Busch

«Die Vorlage zielt vor allem gegen Rassismus und Rechtsextremismus, aber sie umfasst auch den Hooliganismus und die Gewaltpropaganda - unabhängig davon, ob sie von links oder rechts kommt.» Bei der Vorstellung des Entwurfs eines «Bundesgesetzes über Massnahmen gegen Rassismus, Hooliganismus und Gewaltpropaganda» am 12. Februar machte Bundesrätin Ruth Metzler vor allem eines klar: dass ihr jeder Anlass recht ist, um mehr Befugnisse für die Schnüffelpolizei zu erhalten. Geplant ist nicht nur ¬ pünktlich zur Fussball-Europameisterschaft 2008 ¬ eine «Hooligan-Datenbank», sondern auch eine Neuauflage des sogenannten Propaganda-Beschlusses von 1948. Die neue Bestimmung soll es u.a. ermöglichen, ohne Ermittlungsverfahren und ohne richterlichen Beschluss Zeitungen oder Flugblätter einzuziehen und Websites sperren zu lassen, in denen zu «Gewalt» aufgerufen wird. Die Staatsschützer und ihre Bundesräte lassen keinen Zweifel daran, dass damit auch GegnerInnen der kapitalistischen Globalisierung gemeint sind.

Heiner Busch schreibt als Journalist regelmässig in der WoZ, ist Redaktor der Zeitschrift «CILIP - Bürgerrechte und Polizei» und engagiert sich beim Archiv Schnüffelstaat Schweiz.

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Zuletzt aktualisiert: Wednesday, 23.04.2003 23:51:09